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       13. Dezember 2014

Das Wort des Jahres 2014: "Lichtgrenze"

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat entschieden

Das Wort des Jahres 2014 ist Lichtgrenze. Diese Entscheidung traf am Donnerstagabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten »25 Jahre Mauerfall« in Berlin.

Es spiegelt in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorruft. Über 8000 weiße, leuchtende Ballons erinnerten auf einer Länge von 15 Kilometern an den Verlauf der Berliner Mauer und die frühere Teilung der Stadt. Die filigrane Durchlässigkeit der Installation und das Aufsteigen der Ballons auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten symbolisierten beeindruckend die Auflösung und Aufhebung der einst in jeder Hinsicht dunklen Demarkationslinie.

Ursprünglich hatte die Jury das Wort Lichtgrenze gar nicht auf ihrer Liste. Erst in der Diskussion kam der Vorschlag auf, der dann aber für das gesamte Auswahlgremium so überzeugend war, dass er alle anderen Kandidaten für Platz 1 aus dem Rennen schlug.

Auf Platz 2 wählte die Jury den Ausdruck schwarze Null. Er steht wie kein anderer für die Bemühungen der schwarz-roten Koalition um einen ausgeglichenen Haushalt. Erstmals seit über 45 Jahren will die Bundesregierung 2015 ohne neue Schulden auskommen – ein Ziel, dem fast alles andere untergeordnet wird, das aber politisch keineswegs unumstritten ist. Die Debatte um die schwarze Null prägte fast das gesamte Jahr 2014.

Mit der grammatisch genau genommen als Satz zu interpretierenden Wortprägung Götzseidank (Platz 3) würdigt die GfdS den deutschen Fußballweltmeistertitel, genauer gesagt: das Siegtor von Mario Götze gegen Argentinien in der 113. Minute des WM-Finales. Ursprünglich eine Titelzeile der Süddeutschen Zeitung, wurde die Neuschöpfung Götzseidank allenthalben aufgegriffen. Selbst ins Englische wurde sie sofort übersetzt: Praise be to Götze!

Mit dem 4. Platz, dem – als deutsches Fremdwort – ebenfalls bereits ins Englische entlehnten Russlandversteher, greift die GfdS die öffentliche Debatte auf, die in Deutschland nach der russischen Übernahme der Krim und dem von Russland beeinflussten ukrainischen Bürgerkrieg entstand. Das Wort bezieht sich auf die Position derer, die Verständnis für die russische Sicht der Dinge aufbringen und für eine Verständigung mit Russland plädieren. Ihnen gegenüber stehen diejenigen, die fordern, der als neoimperialistisch kritisierten russischen Politik entschieden zu begegnen.

Der juristisch gesehen legitime, in der Gesellschaft aber als völlig überzogen wahrgenommene Streik der deutschen Lokführer führte zu der häufig verwendeten Neubildung bahnsinnig – einem Wort, das die GfdS-Jury als sprachlich kreativ und als charakteristisch für das Jahr einschätzte und daher auf Platz 5 der Wörterliste wählte.

Das Wort Willkommenskultur (Platz 6) steht für die Bereitschaft, Menschen, die in Not sind und hierzulande Asyl beantragen, aufzunehmen. Eine Willkommenskultur wird in der gegenwärtigen Asyldebatte immer wieder gefordert – was bedeutet, dass sie noch nicht hinreichend vorhanden ist. Die GfdS-Jury will mit ihrer Wahl darauf aufmerksam machen, dass zudem das, was unter Willkommenskultur verstanden wird, recht divergent ist: von der Bereitschaft, Flüchtlinge bedingungslos aufzunehmen bis hin zur Forderung nach bedingungsloser Integration.

Unter Social Freezing (Platz 7) wird das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund verstanden. Mit diesem Schlagwort wurde in den Medien eine intensive ethische Kontroverse ausgetragen, seit im Oktober 2014 die Firmen Facebook und Apple bekannt gaben, ihren Mitarbeiterinnen derartige Prozeduren kostenlos zur Verfügung stellen zu wollen, damit sie ihren karrierestörenden Kinderwunsch auf spätere Lebensjahre verschieben können.

Mit dem Wort Terror-Tourismus (Rang 8) weist die GfdS auf die gesellschaftliche Diskussion rund um das Problemfeld des islamistischen Terrors hin. Immer mehr gewaltbereite, meist jugendliche Personen reisen neuerdings von Deutschland nach Syrien aus, um dort im Bürgerkrieg zu kämpfen. Die Politik sucht nach Möglichkeiten, dies zu unterbinden, da nach der Rückkehr der Dschihadisten Anschläge auch hierzulande befürchtet werden.

Das Freistoßspray (Platz 9), das im internationalen Fußball bereits seit 2000 hier und da zum Einsatz kam, hilft dem Schiedsrichter beim Freistoß, den vorgeschriebenen Abstand der Verteidiger zum Ball zu markieren. Bei einer Fußball-WM fand das Spray erstmals 2014 Verwendung; seit Oktober dieses Jahres wird es auch in Deutschland eingesetzt.

Auf Platz 10 wählte die GfdS Generation Kopf unten. Der Ausdruck kennzeichnet die Altersgruppe derer, die immerzu den Kopf gesenkt hält, weil sie sich auf ihr Smartphone konzentriert. Soziale Kompetenzen werden auf diese Weise immer mehr auf die virtuelle Ebene verlagert; eine unmittelbare Kommunikation findet vielfach kaum noch statt.

Die Wörter des Jahres 2014 wurden am 12. Dezember 2014 von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bekannt gegeben. Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft zusammensetzt, aus diesmal rund 2300 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.

Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern seine Signifikanz bzw. Popularität stehen bei der Wahl im Vordergrund: Auf diese Weise stellen die Wörter eine sprachliche Jahreschronik dar, ihre Auswahl ist dabei jedoch mit keinerlei Wertung oder Empfehlung verbunden.



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