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       16. Mai 2014

Die Entdeckung der Einsamkeit

Mit den Wanderhotels zu einsamen Menschen in den Alpen



Julie von der Weichboldalm, ©Herbert Raffalt/www.wanderhotels.com

Senner und Hirten verbringen mit ihren Kühen, Schafen oder Ziegen den ganzen Sommer in entlegenen Almhütten. Mit ihrer Arbeit sorgen sie für nachhaltige Bewirtschaftung der Hochalmen und kargen Gebirgslandschaften.

Im Sommer 2014 brechen die Wanderhoteliers früh am Morgen auf und führen ihre Gäste in kleinen Gruppen und auf langen Fußmärschen zu diesen Menschen weit oben im Gebirge. Dort erfahren Stadtmenschen viel über die Gefahren und die Schönheiten des einsamen Lebens am Berg und spüren, wie die Zeit dort oben fast stehenbleibt. Die Entdeckung der Einsamkeit eben.

„Inni schaugn“ beim Hias im Schnalstal

Das Schnalstal ist ein weltabgeschiedenes Seitental des Etschtals in Südtirol. Vor 5500 Jahren zog ein Mann namens „Ötzi“ von hier aus mutterseelenallein hoch zum Tisenjoch. Wie schockgefroren sein Weg damals endete, weiß heute jedes Kind. Was kein Mensch weiß (außer die Schnalser selbst): Im hintersten Schnalstal lebt auch im Jahre 2014 ein echter Einsiedler – der Hias Kofler. Seine Berghütte wirkt wie aus uralten, längst vergessenen Zeiten: Türstöcke, an denen jeder Durchschnittseuropäer in die Knie geht, knarzende Holzdielen, Südtiroler Kachelofen in der winzigen Stube, Herrgottswinkel, zwei Kühe, Radio. Nicht mehr und nicht weniger braucht der Hias, um froh zu sein.

Nur acht Kilometer weiter unten im Schnalstal und doch Lichtjahre entfernt vom Hias liegt das Wanderhotel Goldenes Kreuz. Patrizia Götsch bietet ihren Gästen Wanderungen an, die man alleine nie im Leben machen könnte. Unter dem Motto „inni schaugn“ wandert man vorbei an den letzten Außenposten der Zivilisation – Vernagt, Tisenhof, Raffeinhof und Finailhof – rauf zum Hias, um bei ihm „reinzuschauen“. Der freut sich über jeden Besuch von Patrizia und ihren Gästen. Denn trotz Einsiedelei ist er ein sehr weltoffener und interessierter Mensch. Nur eben unendlich weit weg von Stress, Hektik und Burn-out.
Angebot "Schnalstaler Bergbauernhöfe", 7 Nächte ab 413 pro Person

Hells Hütt’n oberhalb von Schladming


Nicht nur in Südtirol, sondern auch in der Steiermark gibt es Menschen, die einen etwas anderen Entwurf vom Leben haben und das einfache Leben mitten in der Natur der Zivilisation vorziehen. Bodo Hell ist so ein Mensch. Der wohnt über die Sommermonate in seiner Hütte, die nur über einen Schlaf- und einen Arbeitsraum verfügt. Sein Wasser holt Bodo in einem 20-minütigen Fußmarsch von der Quelle. Harald Höflehner vom Wanderhotel Höflehner in Schladming ist oft beim Bodo oben auf der Alm – und nimmt auch regelmäßig interessierte Gäste mit hoch in die Einsamkeit. Nicht ganz so einsam wie Bodo, aber auch weit weg vom Schuss lebt Julie: Die ist Sennerin auf der Weichboldalm und kocht wie keine andere. Wovon sich Höflehner-Gäste bei einer Wanderung selbst überzeugen können.

Zum schönsten strom- und handylosen Fünfsterne-Hotel

Vom Waldheim, einem kleinen Wanderhotel zwischen Salzburger Dolomiten, Dachstein und Tennengebirge, können Gäste mit Wanderführerin Petra Gappmaier zur Anna von der Pirnitzalm wandern. Die knapp 80-jährige Sennerin lebt den ganzen Sommer über hier oben. Auf der Pirnitzalm gibt es weder Strom noch Handynetz. Aber dafür viel Gastfreundschaft und feines Essen. Ihr einziger Luxus: eine Solarzelle fürs Radio. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen?) bezeichnet die Anna ihre Hütte als das schönste Fünfsterne-Hotel, das es gibt. Sie möchte nirgendwo anders leben. Nur im Winter muss sie ins Tal. „Hoamfahrn tua i erscht, wonn mi da Schnee vertreibt", sagt die Sennerin und lacht verschmitzt. Ihre Gäste freuen sich nach der Wanderung über selbst hergestellten Sauerkäse und Almbutter – und sind von Annas einfacher und doch weitsichtiger Lebensweise tief beeindruckt.

Besuchen Sie die Website: www.wanderhotels.com



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