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       23. Mrz 2014

Erwachende Sexualität und verklemmte Moral

"Spring Awakening": Frank Wedekinds Schauspiel "Frühlings Erwachen" als mitreißendes Musical

Jugendliche, die ihre Sexualität entdecken und eine Erwachsenenwelt, die darauf mit Befremden und Sanktionen reagiert; Schule, die Jugendliche nicht formt, sondern verformt - das sind die Themen von Frank Wedekinds Kindertragödie "Frühlings Erwachen" von 1891. Stoff aus der Vergangenheit? Keineswegs! 2006 haben die beiden Amerikaner Steven Sater, Dichter und Dramatiker, und Duncan Sheik, Musiker, diesen Stoff als Rock-Musical "Spring Awakening" herausgebracht. Es traf nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland, wo es 2009 erstaufgeführt wurde, den Nerv der Zeit und eroberte in rasantem Tempo die Bühnen. Am 22. März 2014 hat "Spring Awakening" im Theater Heilbronn in der Regie von Christian Doll und der musikalischen Leitung von Heiko Lippmann Premiere.

Das Rockmusical "Spring Awakening" erzählt die Geschichte von Wedekinds "Frühlings Erwachen": Die Zeiten, in denen Wendla Bergmann im kurzen Kleidchen herumlaufen durfte, sind vorbei. Verhüllen! Das ist die Antwort von Wendlas Mutter auf die erblühende Weiblichkeit der 14-Jährigen. Als Wendlas Schwester ein Kind bekommt, will die Mutter sie immer noch mit der Geschichte vom Storch abspeisen.

Ihre Freunde aus Kindertagen, Moritz Stiefel und Hans Rilow, plagen sich mit Selbsthass und Ängsten, weil sie nicht wissen, was da in ihren Körpern kribbelt und ihre Gedanken immer wieder von den Pflichten, die Elternhaus und Schule ihnen auferlegen, ablenkt. Einzig Melchior Gabor weiß Bescheid und versorgt seine Freunde mit einem selbst geschriebenen Aufsatz und handgemalten Illustrationen über den "Beischlaf". Doch grau ist alle Theorie, wenn es tatsächlich so weit kommt. Und er wehrt sich, von seiner Mutter als Freigeist erzogen, gegen "eine Welt, in der Lehrer, genauso wie Eltern, uns lediglich als Rohmaterial für eine gehorsame und produktive Gesellschaft betrachten."

In "Spring Awakening" geht um weitaus mehr als um die verlogene Sexualmoral: Es geht um Konflikte zwischen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern, um den Druck, den Mütter und Väter mit dem Wunsch für ihre Kinder nur das Beste zu wollen, auf den Nachwuchs ausüben. Es geht um die Schule, die nicht auf das Leben vorbereitet und die Auseinandersetzung zwischen Lehrern und ihren unbequem werdenden Schülern. Und es geht darum, dass jedes Kind auf dem Weg zum Erwachsenwerden eine spannende aber auch schwere Zeit voller Fragen durchmacht und sich glücklich schätzen kann, wenn sich jemand findet, der es unaufdringlich durch den emotionalen Dschungel begleitet. All diese Fragen stellen sich für jede Generation aufs Neue.

Und dass nicht einmal die verklemmte Sexualmoral sich überlebt zu haben scheint, wird an den erbitterten Diskussionen um den Bildungsplan Baden-Württemberg deutlich, in dem das Thema sexuelle Vielfalt einen Platz finden soll oder auch an den Debatten um Dirk Kurbjuweits Novelle "Zweier ohne" als Schullektüre.

Die Brücke aus dem 19. Jahrhundert ins Heute schlägt die Musik, die Rock- und Pop-Songs, in denen sich Begehren, unerfüllte Sehnsüchte und Leidenschaften Bahn brechen. Steven Suter und Duncan Sheik begannen 1999 nach dem Amoklauf in Columbine an dem Musical zu arbeiten. "Ganz tief in mir drinnen weiß ich, dass wir bei all unserer endlosen Arbeit (8 Jahre) an dem Stück dem furchtlosen und originellen Geist Frank Wedekinds treu geblieben sind", schrieb Steven Sater im Booklet zur preisgekrönten CD von "Spring Awakening". Die Uraufführung 2006 in New York lief 859 Vorstellungen und gewann neben vielen Preisen acht Tony Awards, die Oscars des amerikanischen Theaters.

Mit der Inszenierung dieses Musicals stellt sich Christian Doll erstmals dem Heilbronner Publikum vor. Seit 2012 ist der Schauspieler Intendant der Bad Gandersheimer Domfestspiele und hat dort zusammen mit dem Musikalischen Leiter Heiko Lippmann (der in Heilbronn schon die Leitung bei "Das Apartment" hatte) mit "Blondgirl Undercover" und "Maria, ihm schmeckt's nicht" bereits zwei eigene Musicals auf die Bühne der historischen Stiftskirche gebracht. Ihre gemeinsame Musicalfassung von "Gefährliche Liebschaften" hat dort im Juli 2014 ihre Uraufführung.

Mit Anna Preckeler als Wendla und Sandra Pangl als Thea hat das Theater Heilbronn für diese Inszenierung zwei Musicaldarstellerinnen als Gäste engagiert.
Fotos: Theather Heilbronn/Presse

Theater Heilbronn

Berliner Platz 1
D-74072 Heilbronn
+49 (7131) 5634-03
www.theater-heilbronn.de



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