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       4. August 2014

Fürsten, Frauen, Frater und ihre Beziehungen zum Bier

Fakten rund um Frankens Gerstensaft

„Heimat der Biere“ nennt sich Franken selbstbewusst. Mit rund 300 Brauereien weist die Region die größte Brauereidichte weltweit auf. Wen wundert es bei dieser Fülle, dass sich viele unbekanntere Geschichten rund um den Gerstensaft in Franken entdecken lassen. So findet sich beispielsweise in Ellingen im Fränkischen Seenland ein Brauhaus, das seit sieben Generationen von einem Fürstengeschlecht geleitet wird. Eine lange Tradition hat die Braukunst auch in Frankens Klöstern wie auf dem Kreuzberg in der Rhön, denn „Bier ist flüssig Brot“, weshalb die hiesigen Frater in der Fastenzeit gerne darauf zurückgriffen. Trotz der mittlerweilen großen Beliebtheit von Bier auch bei Frauen, ist das Brauerhandwerk weiterhin männlich dominiert. Doch Franken kann nicht nur Biersommelièrinnen, sondern auch Bierfeen aufweisen.

Vor allem touristisch hat Franken rund um Hopfen und Malz mit Erlebnisrouten, geselligen Bierfesten und urigen Brauereigasthöfen viel zu bieten. Da gibt es thematische Rad-, Wander- und Erlebnisrouten, von den Brauereienwegen um Bad Staffelstein, im Ahorntal, in Heiligenstadt oder den „5-Seidla-Steig“ über die Bier- und Burgenstraße bis zu Schifffahrten unter dem Motto „Barock und Bier“. In Museen wie dem neuen Hopfen-Bier-Kultur-Haus in Spalt (Eröffnung zum Jahresende 2014 geplant), dem Bayerischen Brauereimuseum Kulmbach – hier können Besucher auch eine Zapferprüfung absolvieren – oder verschiedenen Freilichtmuseen erfolgt die Wissensvermittlung alles andere als „trocken“. Fränkische Bierfeste sind nicht nur wegen des süffigen Genusses, sondern auch wegen ihrer Tradition und Geschichte ein beliebter Anziehungspunkt. Zu ihnen gehören etwa die Erlanger Bergkirchweih, das Annafest in Forchheim, die Michaeliskirchweih in Fürth oder der Hofer Schlappentag. Ein Überbleibsel aus der Zeit, in der es noch keine Kühlmöglichkeiten für das Bier gab und man es deshalb in eigens geschlagenen Felshöhlen im Wald lagerte, sind die Bierkeller. Die findigen Franken schenkten das Getränk gleich an Ort und Stelle aus, und so erfreut sich das „auf den Keller gehen“ bis heute größter Beliebtheit.

Auf der Website www.franken-bierland.de gibt es jede Menge Informationen und einen Veranstaltungskalender zum fränkischen Gerstensaft. Es können auch GPS-Dateien abgerufen werden. Zudem gibt es sämtliche Inhalte der Website mit detaillierten Kartenmaterial und umfangreichen Infos als kostenlose App fürs iPhone und Smartphone zum Herunterladen. Die georeferenzierten Karten helfen bei der effektiven Reiseplanung und erleichtern zudem die Orientierung vor Ort.

Bier trifft Käse oder Schokolade: Neues interaktives Hopfen-Bier-Kultur-Haus

Ihrem Ruf als Hopfenmetropole wird die Stadt Spalt zum Jahresende 2014 mit dem neuen Hopfen-Bier-Kultur-Haus noch mehr gerecht. Dann eröffnet in dem fast 600 Jahre alten Kornhaus in der Altstadt Spalts eine Bier-Erlebniswelt, die sich neben dem „flüssigen Gold“ im Allgemeinen besonders seiner Zutat Hopfen widmet. Das Gebäude aus dem Jahr 1457 wurde dafür umfassend saniert, das Museum wird modern und interaktiv gestaltet. Neben der informativen Ausstellung zum (Spalter) Brauwesen erwarten Besucher auch Degustationen und die Handwerksbrauerei. In der Bierakademie vermitteln Sommeliers, Bierakademiker, Braumeister und internationale Experten ihr Wissen an Interessierte. Welches Bier mit welchem Käse oder welcher Schokoladensorte harmoniert, können Besucher bei den Verkostungen im Hopfen-Bier-Kultur-Haus selbst erschmecken. Zudem befindet sich im Ort mit der Stadtbrauerei Spalt die einzige in kommunalem Besitz verbliebene Brauerei Deutschlands. (www.spalt.de)

Von Seidla zu Seidla: Neue Wander- und Radwege

Wer die fränkische Biervielfalt kennenlernen möchte, der sollte das Auto besser zu Hause lassen und sich zu Fuß von Brauerei zu Brauerei begeben. Viele Regionen weisen dafür spezielle Wanderwege aus. Kürzlich erschien der Brauereiführer Bad Staffelstein mit vier neuen Wander- und drei Radwegen unterschiedlicher Länge. Sie verbinden die zehn Brauereien im „Gottesgarten am Obermain“, wie die Region um Bad Staffelstein auch genannt wird. Wer alle zehn „Biertempel“ auf diese Weise besuchen will, braucht etwas Ausdauer, denn zwischen allen Brauereien sind rund 50 Kilometer zurückzulegen. Belohnt wird so viel Durchhaltevermögen mit einem Bierdiplom. Dieses bekommt überreicht, wer den in der Broschüre enthaltenen Stempelpass vollständig ausgefüllt vorweist, das heißt an jeder Brauerei sein Seidla (0,5 Liter) getrunken hat. Weniger Trinkvermögen verlangt der „5-Seidla-Steig“ Spaziergängern in der südlichen Fränkischen Schweiz ab. Er führt auf landschaftlich reizvollen Wegen zu den fünf Privatbrauereien in den Gemeinden Gräfenberg und Weißenohe. Außerdem sind zwischen den Brauereigasthöfen nur zehn Kilometer zurückzulegen. Ambitioniertere Wanderer hingegen können auch längere Routen wählen. Die guten Verbindungen mit dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) ermöglichen zudem eine autofreie An- und Abreise. (www.bad-staffelstein.de; www.vgn.de/wandern)

Mit weiblicher Intuition zu großem Genuss: Bierfeen und -Sommelièrinnen

Früher war Brauen Frauensache, denn die Bierproduktion gehörte zum Haushalt, und da regierte das weibliche Geschlecht. Heute wird Bier meist von Männern für Männer gebraut. Als Gegenpol schlossen sich vier Braumeisterinnen – auch als fränkische Bierfeen bekannt – zusammen, um ihr eigenes Bier von Frauen für Frauen herzustellen. Die Begeisterung für den Gerstensaft wurde Yvonne Wernlein aus Trebgast, Isabella Straub aus Memmelsdorf sowie Gisela und Monika Meinel-Hansen aus Hof quasi in die Wiege gelegt, stammen sie doch aus Brauer- und Gastronomenfamilien. Die vier jungen Frauen entwickelten unter dem Label „Holladiebierfee“ bisher mit Sommernachtstraum und Herbst-/Winterfee zwei Biere, die sich speziell an Frauen wenden. Die Saison für Sommernachtstraum, ein orange-rotes Starkbier mit vollem Malz gepaart mit viel Aromahopfen, ist die warme Jahreszeit. Ale- und Champagnerhefe sorgen für ein prickelndes Sommergefühl. Der leckere Geruch nach Mandarine, Pfirsich und Bitterorangen spricht weibliche Nasen besonders an. Die von Oktober bis Weihnachten vertriebene Herbst-/Winterfee ist ein rotfunkelndes Starkbier mit prallem, köstlichem Malz. Barleywine- und Burgunderhefe runden den wilden Rote-Beeren-Geschmack ab. (www.holladiebierfee.de)

Verband man früher den Begriff Sommelier für gewöhnlich mit Wein, haben sich heute Biersommeliers ebenso etabliert. Wie das Brauerhandwerk befand sich auch der Sommeliers-Beruf fest in männlicher Hand, bis Carmen Fiedler 2011 als erste Frau in Franken die Prüfung ablegte und als 271. Mitglied im Verband der Diplom-Biersommeliers aufgenommen wurde. Als Biersommelière im Familienbetrieb Landgasthof Fiedler berät sie die Gäste über die richtige Bierauswahl zur gewählten Speise. Helle Biere zu leichtem Essen, bittere Biere ergänzen scharfes Essen, dunkle Biere machen Fleisch mit Röstaromen schön rund, lautet die Faustregel. Sie gibt Informationen zum Bierherstellungsprozess und erklärt alles über die positiven gesundheitlichen Auswirkungen des moderaten Bierkonsums. Mittlerweile ist Carmen Fiedler nicht mehr Frankens einzige Biersommelière: Gisela Meinel-Hansen, eine der vier Bierfeen, sowie Luitgard und Marika Winkelmann vom „Brauhaus am Kreuzberg“ dürfen beispielsweise inzwischen auch diesen Titel tragen.

Klöster – Zentren der Braukunst
Das Brauwesen wurde von Anfang an maßgeblich von den Klöstern vorangebracht. Seit alters her fanden Christen Möglichkeiten, die strengen Fastenregeln zu umgehen. Den Grundsatz „Flüssiges bricht das Fasten nicht“ nutzten auch die Mönche für sich, um die Fastenzeit erträglicher zu gestalten. Für die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern brauten die frommen Frater ein stärkeres, nahrhafteres Bier, um bei Kräften zu bleiben. Auch in anderen Bevölkerungsschichten war es wegen seines Kaloriengehalts eine wichtige Ergänzung der oft knappen Nahrung. Fastenbiere gehören bis heute zum Repertoire vieler fränkischer Brauereien. Mehrere Klöster verfügen zudem weiterhin über eigene Brauhäuser, deren Erzeugnisse in den Klosterschenken verkostet werden können. Das 1692 fertiggestellte Kloster Kreuzberg in der Rhön begann 1731 mit dem Betrieb einer Brauerei. Früher wurde das Bier gratis an Pilger ausgegeben, die sich mit einer Spende revanchierten. Erst als ab 1920 immer mehr Zecher gratis konsumierten, wurden feste Preise eingeführt. (www.kreuzbergbier.de)

Fürst Carl – wie der Adel so das Bier
In der Schlossbrauerei Ellingen im Fränkischen Seenland werden bereits seit sieben Generationen die „Fürst Carl“-Edelbiere hergestellt. Die Brauerei ist seit 1815 in Besitz des Fürstengeschlechts. Damals erfüllte der bayerische König Max I. Joseph den Wunsch seines Generals Carl Philipp Fürst von Wrede und vermachte ihm zum Dank für seine Verdienste die Ellinger Schlossanlage mit dem gegenüberliegenden barocken Brauhaus. Das Brauhaus selbst wurde bereits 1690 erstmals urkundlich erwähnt, existiert aber wahrscheinlich schon länger. Carl Christian Fürst von Wrede übernahm den Familienbetrieb von seinem Vater Carl Friedrich Fürst von Wrede. Der direkte Nachfahre des bayerischen Feldmarschalls führt die Schlossbrauerei Ellingen mit der gleichen Begeisterung wie sein Urahn. Ob sich der erste Vorname Carl durch alle sieben Generationen fortsetzte, ist nicht bekannt. Brauereiführungen sind nach Voranmeldung möglich. (www.fuerst-carl.de)

Tradition trifft Innovation: Brauen mit erneuerbaren Energien
Nicht nur Tradition spielt beim Bierbrauen eine Rolle, auch ganz neue Wege werden beschritten. So kann sich Felsenbräu aus Thalmannsfeld im Naturpark Altmühltal seit 2007 als erste Solarbierbrauerei Deutschlands bezeichnen. Die von der TU München-Weihenstephan vergebene Solarbierurkunde erhalten nur Brauereien, die einen Großteil ihres Energiebedarfs über erneuerbare Ressourcen beziehen. Der Brauprozess ist auf Grund der benötigten hohen Temperaturen zum Kochen des Suds besonders energieintensiv. Zur Gärung muss wieder auf Temperaturen zwischen 24 bis 14 Grad herunter gekühlt werden, was genauso viel Energie kostet wie das Erhitzen. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass Brauer darüber nachdenken, wie sie Energie sparen können. Schon seit ihrer Gründung 1928 durch den Großvater des jetzigen Betreibers Walter Gloßner hat darum die Felsenbräu auf einem Holzgerüst über ihren namensgebenden Felsenkellern Natureis gesammelt, um während des Sommers die Kühlung zu entlasten. Zu den weiteren Maßnahmen, die bei Felsenbräu zu einem nahezu hundertprozentigen Energiegewinn aus erneuerbaren Ressourcen führen, gehören ein kleines Blockheizkraftwerk, welches Biogas, das bei der Vorklärung der Abwasser entsteht, verstromt, sowie eine Umwelt- und CO²-neutrale Hackschnitzel-Heizung und eine Photovoltaik-Anlage auf dem Brauereidach. (www.solarbier-felsenbraeu.de)

Biersponsoring der besonderen Art

Bei Whisky-Herstellern abgeschaut haben sich Frankens Bierbrauer die Verwendung alter Fässer, um das darin enthaltene Aroma von beispielsweise Sherry oder Port bei der Reifung weiterzugeben. Unter anderem das „Brauhaus am Kreuzberg“ in Hallerndorf lagert spezielle Biersorten über einen längeren Zeitraum in Sherry-, Wein- oder Whisky-Fässern, damit sie die entsprechenden Noten aufnehmen. Solche Fässer nutzt auch Nikl-Bräu in Pretzfeld zum Experimentieren mit dem Gerstensaft. Zur Finanzierung seiner Spezialbiere hat sich Inhaber Mike Schmitt, der sich mit der Eröffnung der eigenen Brauerei einen Lebenstraum erfüllte, ein besonderes Konzept ausgedacht: Biersponsoring. Ab 250,- Euro können Interessenten in ein Holzfass investieren, in dem dann für zwei Jahre das Spezialbier lagert. Nach Ablauf der Zeit erhalten die Sponsoren ihr Geld zurück und bekommen zusätzlich zur Investitionssumme eine Flasche Bier aus „ihrem“ Fass plus fünf Seidla (0,5 Liter) weiteres Bier und zwei Verkostungsgläser. Bei höheren Sponsor-Beträgen werden die „Zinsen“ aufgestockt. (http://brauerei-friedel.de; http://brauerei-nikl.de)

Do it yourself beim Brauer-Workshop in Miltenberg
Bierliebhaber, die sich den Traum vom eigenen Bier erfüllen wollen, können bei der Brauerei Faust in Miltenberg einen eintägigen Brauer-Workshop absolvieren. In sieben Stunden werden die theoretischen und praktischen Grundlagen des Brauens vermittelt – vom Schroten des Malzes bis hin zum Beginn des Gärprozesses. Neben dem Seminar umfasst der Tag auch einen Rundgang durch die Brauerei Faust inklusive der Verkostung verschiedener hauseigener Biere, einem Weißwurstfrühstück und einer zünftigen Vesper, alkoholfreier Getränke und Kaffee, einem Bierbrauer-Diplom und fünf Litern selbst gebrauten Biers. Dieses ist etwa sechs Wochen nach dem Workshop abholbereit. Noch Plätze frei sind für das Seminar am 23. August, weitere Termine einmal pro Monat. Es kann für 109 Euro pro Teilnehmer direkt bei der Brauerei Faust unter der Telefonnummer 09371/9713-13 gebucht werden.

Entspannen in der Bier-Sauna

Saunadorf nennt sich die FrankenTherme in Bad Königshofen, denn die Anlage nimmt Elemente einer Siedlung auf. So gibt es einen Platz mit Brunnen, eine Mühle, in der sauniert werden kann, und seit 2013 ein Brauhaus. Auch in diesem befindet sich eine Sauna. Die Gestaltung mit Braukessel, Vitrinen mit Bierkrügen, Hopfen und Malz versetzt Besucher gleichzeitig an den Ort der Herstellung des Gerstensaftes wie in ein gemütliches fränkisches Gasthaus. So entspannt der Gast mit allen Sinnen in der wohligen Wärme. Stündlich wechselnde Erlebnisaufgüsse – natürlich auch ein Bieraufguss – umschmeicheln den Geruchssinn. Für den Geschmack wird zwischendurch ein kühles Blondes gereicht. Das Auto sollte man nach dem Alkoholgenuss bei 95 Grad aber besser zu Hause lassen. (www.frankentherme.de)

Foto: Fränkische Brotzeit (c) FrankenTourismus / Bad Staffelstein / Hub
Weitere Informationen:
FrankenTourismus
Postfach 44 04 53, 90209 Nürnberg
Telefon 0911/94151-0, Fax 0911/94151-10
info@frankentourismus.de
www.frankentourismus.de


 



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