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12.02.2020

TELEMATIK: Der digitale Schritt in der individuellen Risikobewertung der Kfz-Versicherung

Goslar Diskurs zeigt das Potenzial von individuelleren Tarifen auf Angebote müssen transparent und freiwillig sein

Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung können den Verkehr sicherer und die Beitragsberechnung gerechter machen. Die neuen Tarife berücksichtigen neben statistisch erhobenen Merkmalen auch die individuelle Fahrweise. Diese wird anhand von Daten aus dem Auto bewertet. Wer vorausschauend und sicher fährt, erhält einen Beitragsnachlass. Auch die auf dem Podium vertretenen Verbraucher- und Datenschützer sehen Vorteile der Telematik-Tarife.

Sie haben kein prinzipielles Problem mit dieser individuelleren Risikobewertung der Kfz-Versicherung, vorausgesetzt sie ist vom Kunden gewählt, die Versicherungsbedingungen sind transparent und der Kunde erfährt auch, zu welchem Zweck welche seiner Fahrdaten erhoben und verwendet werden. Das wurde auf der jüngsten Diskussionsveranstaltung der Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern – Goslar Institut – anlässlich des aktuellen Verkehrsgerichtstages in Goslar deutlich. Die Vertreter der Versicherungskunden – der Verbraucherschützer Hermann-Josef Tenhagen und der Datenschützer Sven Hermerschmidt – legen zudem großen Wert darauf, dass die Entscheidung für oder gegen einen Telematik-Tarif frei und freiwillig von den Versicherungsnehmern getroffen werden kann.

Durch Fahrweise beim Versicherungsbeitrag sparen

Die Vorteile der individuelleren Versicherungspolicen überzeugen auch immer mehr Autofahrer, wie HUK-COBURG-Vorstand Dr. Jörg Rheinländer in Goslar berichtete: Der größte deutsche Kfz-Versicherer hat bereits rund 200.000 Telematik-Kunden. Das führt Dr. Rheinländer insbesondere darauf zurück, dass ein Versicherungsnehmer mit Telematik sparen kann: Wer sicher und vorausschauend fährt, spart bis zu 30 Prozent. Neben dem Spar-Effekt bekommt er Feedback zu seinem Fahrverhalten – ein Angebot, für das viele Nutzer offen seien, so Dr. Rheinländer.

Insofern werde dem Kunden ein echter Mehrwert zuteil, indem er durch sein persönliches Fahrverhalten Einfluss auf seinen individuellen Kfz-Versicherungstarif bekomme, erklärte Prof. Dr. Fred Wagner vom Institut für Versicherungslehre (IVL) der Universität Leipzig. Er untersuchte zusammen mit Prof. Dr. Susanne Knorre und Prof. Horst Müller-Peters in der Studie „Die Big-Data-Debatte“ die Einstellung und das Verhalten der Bürger im Umgang mit Massendaten (Big Data). Dabei wurde deutlich, dass bei allen Big-Brother-Szenarien die tatsächlichen Vorteile nicht außer Acht gelassen werden dürfen, die sich durch die Verwendung von persönlichen Daten ergeben können – wie in diesem Fall bei Telematik-Tarifen.

Wie dieser „digitale Schritt in der individuellen Risikobewertung der Kfz-Versicherung“ – so das Thema des aktuellen Goslar Diskurs – in der Praxis abläuft, erläuterte Dr. Rheinländer am Beispiel der HUK-COBURG. Kunden, die eine Telematik-Police wünschen, bekommen einen kleinen Sensor zugeschickt, den sie im Auto an die Frontscheibe kleben. Dieser Sensor wird gekoppelt mit einer auf dem Handy des Kunden installierten App. Von dem Sensor werden Daten zur Fahrweise des Kunden registriert: zu Geschwindigkeit, Beschleunigen, Bremsen etc. Hierzu bekommen die Fahrer über das Handy für jede Fahrt ein entsprechendes Feedback. So soll Kfz-Versicherung „anfassbar“ werden, wie es der HUK-COBURG-Vorstand formuliert. „Man kann so selbst erleben, wie man fährt, und erhält eine Rückmeldung dazu“, so Dr. Rheinländer.

Transparenz entscheidend für Erfolg und Akzeptanz


Auch der Geschäftsführer und Chefredakteur der Verbraucherinformation Finanztip, Hermann-Josef Tenhagen, ist der Ansicht, es handele sich um einen „Deal, den man machen kann“, wenn man für die Preisgabe seiner Fahrdaten eine Vergünstigung beim Kfz-Versicherungstarif von realistisch 15 bis 20 Prozent erzielen kann. Wichtig ist dem Verbraucherjournalisten dabei jedoch, dass der Kunde entscheidet und weiß, welche Daten er preisgibt und wie diese ausgewertet werden. „In dieser Hinsicht müssen Kunden ihrem Versicherer vertrauen können“, fordert Tenhagen. Wichtig sei auch, dass zur Risikoermittlung nicht Daten zur Tageszeit und zum Stadtteil herangezogen werden. Eine Krankenschwester dürfe nicht mit höheren Versicherungskosten bezahlen, dass sie zur Frühschicht muss.

Tenhagen hält Telematik für „völlig in Ordnung, wenn der Verbraucher weiß, dass z. B. zu schnelles Fahren seine Versicherung verteuern kann“. Denn das Risiko beim Autofahren bestehe ja nicht nur darin, dass man sein eigenes Fahrzeug beschädigen, sondern auch darin, dass man damit andere Menschen verletzen oder gar töten könne, argumentiert Tenhagen. Wenn man dieses Risiko mit der neuen Telematik-Technik „besser eingefangen“ bekomme, dann müsse man gesellschaftlich eigentlich dafür sein, sagte der Verbraucherschützer beim Goslar Diskurs.

Gegen datenschutzgerecht gemachte Telematik hat auch der Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Sven Hermerschmidt, „nichts einzuwenden“. Ihm ist jedoch ebenfalls wichtig, dass die Kunden wissen, was dabei passiert, und „dass über Freiwilligkeit, Transparenz und Datensicherheit Vertrauen hergestellt wird“ – unter anderem auch durch die Garantie, dass die erhobenen Daten nur für den angegebenen Zweck verwendet werden. Eine enge Zweckbindung der Daten, auch gegenüber staatlichen Interessen bzw. Einrichtungen, sei eine wesentliche Voraussetzung bei der Telematik, erklärte der Datenschützer.

Nach Einschätzung von Hermerschmidt sind die Verbraucher durchaus bereit, Daten von sich preiszugeben, wenn ihnen dafür bei Einhaltung der genannten Bedingungen ein wirklicher Mehrwert geboten wird: „Die Menschen wollen einen Benefit von der Digitalisierung haben“, ist er überzeugt.

Den wenigsten Autofahrern sei aber bewusst, was in ihren Fahrzeugen an Daten erhoben und verarbeitet werde, sagte Hermerschmidt. Gemessen daran sei die Telematik geradezu ein „simples“ Geschäftsmodell. Aus Sicht des Datenschutzexperten ist die Sensibilität der Daten bei Telematik abgesehen von den Lokalisierungsdaten noch vergleichsweise gering: Sie muss demnach nicht zu einer unerwünschten Diskriminierung führen.

Chancen des vernetzen Autos

Zu der Datenverarbeitung in modernen Autos berichtete der Publizist und Experte für die Automobilwirtschaft, Guido Reinking, dass Automobilhersteller heute schon viele Informationen über das Fahrverhalten der Autofahrer erhalten würden. So warne etwa ein modernes Fahrzeug bereits vor Geschwindigkeitsübertretungen, erläuterte Reinking. Versicherer wie die HUK-COBURG machten mit der Herstellung der Verbindung zum Fahrer etwas, was die Autoindustrie schon längst hätte machen müssen, meint der Experte: Per Connectivity aus Fahrdaten Services generieren. Autohersteller verfügten heute schon über Fahrdaten, die etwa das HUK-Telematik-System gar nicht erhebe, erklärte Reinking – etwa über Querbeschleunigung, über das Eingreifen von ABS und ESP etc. Solche Daten könnten heute schon zur Verhinderung von Unfällen herangezogen werden, wenn der Kunde das wollte, betonte der Experte.

Dazu merkte HUK-COBURG-Vorstand Dr. Rheinländer an, dass die Versicherer sich bei der Automobilindustrie intensiv für einen diskriminierungsfreien Zugang zu den vom Auto registrierten Daten einsetzten. „Wenn ein Autofahrer einen Telematik-Tarif möchte, warum kann er dann seine Daten aus seinem Auto nicht an seinen Versicherer geben“, fragte Dr. Rheinländer. Denn diese Daten gehörten letztlich dem Kunden und der müsse darüber bestimmen können, betonte er. „Dieser Datenzugang muss frei sein“, forderte der HUK-COBURG-Vorstand.

Zudem können Telematik-Tarife Unfälle verhindern, hob er einen weiteren Vorteil hervor. Sein Unternehmen habe in einer Testgruppe festgestellt, dass sich mit einem Telematik-Tarif die Schadenshäufigkeit deutlich vermindern lasse, teilte der Versicherungsmanager mit. Es sei eine ganz wichtige Auswirkung des Feedbacks zur individuellen Fahrweise im Rahmen von Telematik, dass sich so Unfälle vermeiden lassen, betonte Dr. Rheinländer.

Dr. Rheinländer nahm auch zu der mitunter gegen die Telematik-Tarife angeführten Kritik Stellung, dadurch werde das Versicherungskollektiv in Frage gestellt. Dieses sei nicht der Fall: Mit Telematik werde das Versicherungskollektiv nicht ausgehebelt, wenn der jeweilige Nachlass adäquat sei.

Zudem gebe es heute schon individuelle Preise, fügte Versicherungswissenschaftler Prof. Dr. Wagner hinzu. Nur würden sie bei der Telematik nach den richtigen Merkmalen berechnet. Bisher werden für die Tarifierung Ersatzmerkmale benutzt, wie Prof. Dr. Wagner erläuterte. Hierzu zählen unter anderem Autotyp, Zulassungsregion, Dauer des Führerscheinbesitzes, gefahrene Kilometer pro Jahr, Garagenunterbringung etc. Das seien alles nur Ersatzmerkmale für Unfallgefahr, so der Wissenschaftler. Bei Telematik hingegen werden jene Merkmale betrachtet, die wirklich über Unfallrisiko entscheiden, nämlich wie gefahren wird. Als das wesentlich Neue bei der Telematik hob Prof. Dr. Wagner deshalb hervor, dass nun das Echtverhalten von Fahrern gemessen werde. Das müsste zu ehrlicheren Tarifen führen, wenn aus den Daten zum Fahrverhalten treffend auf die Unfallwahrscheinlichkeit geschlossen werden könne, resümierte der Experte. So werde für jedes Risiko der adäquate Preis in Form des Schadenserwartungswerts bezahlt.

Am Ende wird über den Erfolg solcher verhaltensbasierter Systeme wie der Telematik entscheiden, ob deren Anbieter Vertrauen bei den Nutzern erwecken können, so das Fazit von Prof. Dr. Wagner. Diese müssten zudem erkennen können, dass sie einen Mehrwert von diesem Angebot haben. Deshalb sollte jeder Anbieter von Telematik-Tarifen tunlichst vermeiden, mit den Daten der Kunden etwas anzufangen, was diese nicht wollen, warnte der Experte. Denn sonst werde man dieses System nicht weiter etablieren können. In dieser Hinsicht hat HUK-COBURG-Vorstand Dr. Rheinländer keine Bedenken: In den Versicherungsbedingungen seines Unternehmens zum Telematik-Tarif stehe alles Erforderliche drin, auch welche Daten erfasst werden, betonte er. Als wesentlich für die Transparenz strich Dr. Rheinländer das Feedback über das Handy heraus. Darüber bekomme der Kunde angezeigt, wann und wo er sich hinterm Steuer nicht vorteilhaft für seinen Tarif verhalten hat. Daraus lerne der Kunde zum Wohle der Verkehrssicherheit, ist er sicher.

Quelle und Foto: Goslar Institut Janaur 2020

GOSLAR INSTITUT
Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V.
– Eine Initiative der HUK-COBURG –

www.goslar-institut.de



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