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23.09.2016

Ein toller Musiker und Familienmensch - Angelo Kelly

der jüngste der Kelly-Family lebt seinen Traum

Auf Vox holte Angelo Kelly im Frühsommer Traumquoten mit seiner Auswanderer-Dokumentation. Die Kamera begleitete den 34-jährigen Musiker, seine drei Jahre ältere Ehefrau Kira sowie die fünf Kinder Gabriel, 14, Helen, 13, Emma, 10, Joseph, 5 und William, 10 Monate quer durch Europa. „Das Wichtigste, dass wir von unserer dreijährigen Tour mitnehmen, ist das Gefühl von Freiheit. Vorher fühlten wir uns doch sehr gefangen“, erzählt der jüngste Spross der legendären Kelly Family.

Die Kamera war auch dabei, als die Familie sich in der Abgeschiedenheit Irlands ein heruntergekommenes Haus kaufte und es liebevoll mit vereinten Kräften renovierte. Angelo Kelly, der einst mit seinem Vater und den acht Geschwistern in Schloss Gymnich bei Bonn residierte, lebt heute einfach und ursprünglich. „Das ist eine sehr bewusste Entscheidung. Wir könnten uns mehr Luxus leisten, aber meine Frau und ich betrachten unseren heutigen Lebensstil als Geschenk. Wir heizen zum Beispiel bewusst mit Holz, weil wir uns dadurch wesentlich freier fühlen. Sollte es mal einen Stromausfall geben, können wir trotzdem heizen oder kochen“, begründet Angelo diesen Schritt.

Gerade bereitet sich Angelo Kelly mit seiner Familie auf die große Christmas-Tour (Termine auf www.angelokelly.de) in Deutschland vor. Zuvor verrät er jedoch im Interview mit Geniesserinnen.de, warum er Deutschland verlassen hat, wie er seine Vaterrolle sieht und wie er über das Scheitern der Kelly Family und Luxus denkt.

Wie oft haderst Du damit, dass die Kelly Family gescheitert ist und die verdienten Millionen weg sind?
Ich hadere überhaupt nicht damit. Im Gegenteil, aus heutiger Sicht bin ich sogar dafür dankbar. Ich möchte nicht wissen, was vielleicht sonst für ein Mensch aus mir geworden wäre. Ich kenne viele, die über einen langen Zeitraum sehr erfolgreich waren und gefeiert wurden. Oftmals sind sie sehr unangenehme, fast schon tragische Figuren geworden. 

Ab 2006 warst Du als Solo-Künstler recht erfolgreich.
Das stimmt. Ich war ständig unterwegs. Allein 2009 habe ich verteilt auf 23 Länder rund 200 Konzerte gegeben. Kira und die Kinder haben mich viel begleitet, bis Gabriel und Helen in die Schule kamen. Ab da haben wir dann mehr und mehr aneinander vorbeigelebt. Dabei hatten wir uns immer geschworen, dass wir genau das nicht tun würden. Das Familienleben sollte immer unsere oberste Priorität sein und dann stand auf einmal doch der Job im Vordergrund. Wir waren bürgerlich geworden und haben beide unter diesem Zustand gelitten.  Und dann hatte Kira nachts einen epileptischen Anfall und kurze Zeit später die damals dreijährige Emma einen schlimmen Unfall…
Diese beiden Erlebnisse waren wie ein großer Wake-up-Call für mich. Ich hatte bereits ein halbes Jahr zuvor darüber nachgedacht alles hinzuwerfen und auszusteigen. Aber ich hatte mich nie getraut, es meiner Frau vorzuschlagen, weil ich genau wusste, sie hätte dieser Idee sofort zugestimmt.



Was wäre daran schlimm gewesen?

Dann hätte ich nicht mehr zurückgekonnt. Aber ich war mir damals noch nicht sicher, ob ich tatsächlich von diesem Leben loslassen kann. Aber spätestens seit Emmas Unfall hatte ich wirklich Angst, dass unser Familienbund langsam zerstört wird durch einen Mangel an Zeit für einander, durch fehlende gemeinsame Erlebnisse. Außerdem belastete mich mehr und mehr mein schlechtes Gewissen, dass ich anscheinend nicht bereit war meinen Kindern das besondere Leben und die tollen Erfahrungen zu bieten, die ich in meiner Kindheit vor dem großen Erfolg der Kelly Family erfahren durfte. Damals habe ich ein Vagabundenleben geführt, viele Länder bereist, auf einem Hausboot gewohnt.

Was haben die Kinder aus Eurem Ausstieg fürs Leben mitgenommen?
Sie haben ganz wesentliche Dinge gelernt: Weltoffenheit, Toleranz, Wissbegierde, Neugier, die Suche nach Freiheit und Wahrheit. Sie haben erfahren, dass es nicht nur einen, sondern dass es viele Wege im Leben gibt und man sich seinen eigenen nie vorschreiben lassen soll. Dass wir das alles gemeinsam als Familie erlebt haben und als Erinnerung mitnehmen können, hat uns noch mehr zusammengeschweißt.

Zwei Erwachsene und vier Kinder im engen Wohnmobil. Da geht man sich doch irgendwann auf die Nerven….
Gelegentliche Unstimmigkeiten haben nichts mit der Enge eines Wohnmobils zu tun. Sowohl Kira als auch ich sind sehr harmoniebetonte Menschen, was auch unsere Kinder entsprechend prägt. Es kommt tatsächlich nur sehr, sehr selten vor, dass sie miteinander streiten. Und Hauen, Kneifen, Schubsen, das alles akzeptieren wir nicht. Unser Miteinander basiert auf Respekt. Respekt der Kinder vor den Eltern, aber auch Respekt der jüngeren Kinder gegenüber den älteren Geschwistern, die ja durchaus eine gewisse Verantwortung übernehmen.

Wie reagiert ihr, wenn eines der Kinder doch mal Mist gebaut hat?
Fehlverhalten muss selbstverständlich Konsequenzen haben. Wir handhaben es so, dass der- oder diejenige eine Weile abseits sitzen und über sein Verhalten nachdenken muss. Anschließend muss es uns erklären, warum sein Verhalten falsch war und sich bei demjenigen entschuldigen, dem es vielleicht mit seinem Verhalten wehgetan hat. Wer ganz extremen Mist gemacht hat, darf beispielsweise in der laufenden Woche am gemeinsamen Filmabend der Familie nicht teilnehmen. Was wir niemals tun würden, ist, unsere Kinder mit Schlägen oder Liebesentzug zu strafen.

Hältst Du Dich für einen guten Vater?
Ich bemühe mich jedenfalls intensiv, ein guter Vater zu sein und lerne mit jedem Kind dazu. Aber ich beobachte, dass heutzutage viele Menschen Kinder in die Welt setzen und sich dabei wenig Gedanken über Erziehung machen. Sie meinen anscheinend, dies sei vorrangig eine Aufgabe des Staates, der Schule. Das finde ich fast schon tragisch.

Hast Du Angst vor dem Tag, an dem das erste Kind das Haus verlässt?
Ja, davor habe ich tatsächlich Angst, trotzdem bin ich darauf vorbereitet. Meine Sorgen und Ängste verarbeite ich deshalb in meinen Songs, damit mir das Loslassen am Tag X leichter fällt.

Wie groß hast Du den Druck empfunden, alleine für die Familie verantwortlich zu sein?

Als unser Wunschkind Gabriel geboren wurde, hat sich bei mir im Kopf ein Schalter umgelegt. Ich war nicht mehr der unbedarfte Neunzehnjährige, sondern ein Familienvater mit Verantwortung. Damals war ich beruflich aber noch Teil der Kelly Family. Der Druck der Verantwortung stieg, als ich dann auf eigenen Füßen stand. Mal konnten wir gut von meinem Verdienst leben, mal weniger gut. Da ich alles alleine gemacht habe – von der Tour-Planung über die Promotion bis hin zur Finanzierung – habe ich mich eben oftmals auch überschätzt und viele Fehler gemacht.

Welche?
Ein gutes Beispiel ist meine erste eigene Tour im Sommer 2006. Ich war mit Band und Tour-Bus unterwegs und hatte 50 Konzerte in Clubs geplant. Allerdings hatte ich nicht dabei gedacht, dass die Leute bei schönem Wetter nicht in Clubs gehen, sondern sich lieber draußen aufhalten. Die Tour ging voll in die Hose und ich hatte ein totales Minusgeschäft gemacht.

Was für ein Typ bist Du? No risk, no fun oder gehst Du auf Nummer Sicher und hast immer einen Plan B in der Hinterhand?
No risk, no fun ist nicht meine Art. Ich gehe nie den einfachen Weg, sondern immer den Weg, der uns langfristig als Familie schützen wird und der mir jede künstlerische Freiheit lässt. Diese Grundhaltung basiert auf bestimmten Prinzipien.

…die da wären?
Ich gehe nicht über Leichen, ich bin privat wie beruflich immer fair und ehrlich gegenüber meinen Mitmenschen, ich würde nie etwas tun, was nicht auch im Interesse meiner Frau und den Kindern ist.

Bist Du jemand der leicht oder schwer vertraut?
Durch die Rückkehr auf die Straße habe ich eine Menge über die Menschheit gelernt. Als Straßenmusiker machst Du Dich quasi nackig und hoffst, dass die Menschen Dich anerkennen, unterstützen und Dir etwas zurückgeben. Sei es ein Lächeln, ein Geschenk oder ein Euro. Diese Erfahrung hat mein Vertrauen sogar noch vergrößert.

Wie würdest Du Deine Partnerschaft mit Kira beschreiben?
Wir sind absolut ehrlich miteinander und pflegen einen offenen Dialog. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir ständig reflektieren, was wir entschieden haben und uns gemeinsam überlegen, welcher nächste Schritt in unserem Leben der richtige ist. Als gläubige Menschen fühlen wir uns zudem gegenüber Gott verantwortlich.

Was bedeutet für Dich heute Luxus?
Mein größter Luxus ist gemeinsame Zeit und Erlebnisse mit der Familie zu haben. Je mehr es davon gibt, desto reicher bin ich. Seit drei Jahren habe ich ein Haus, auch das ist Luxus. Oder, dass ich durch meine Arbeit die Chance habe, viel von der Welt zu sehen.

Materielle Dinge reizen Dich nicht mehr?
Ich bin kein Markenfetischist bei Klamotten. Ich trage das, was mir gefällt. Gerade habe ich mir ein Paar Schuhe für 180 Euro gegönnt, weil es genau die Schuhe waren, die ich gesucht habe. Aber ich trage genauso 2-Euro-Schuhe vom Flohmarkt. Bei einer schönen Uhr oder einem Gemälde erkenne und schätze ich den Wert sehr wohl. Wobei es mir dabei aber nicht um den Geldwert geht, sondern um die Arbeit, die darin steckt. Uhr und Gemälde wertschätze ich als geistige oder kulturell Bereicherung, dennoch sind deren Besitz nicht mein Lebensziel.

Hat die Rückkehr auf die Straße Überwindung gekostet?
Als es soweit war, hatte ich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Die Straße ist einfach kein geschützter Rahmen und nicht berechenbar. Mein erster Tag war wirklich sehr hart. Es war irgendwo in Frankreich und ich spielte von morgens bis abends für gerade mal 30 Euro. Das war ein Schock, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich so meine Familie ernähren sollte. Aber ich habe täglich dazugelernt und meine Anfangsfehler abgestellt. Nach einer Weile wurde das Leben als Straßenkünstler sogar zur Bereicherung, weil ich unglaublich viel erlebt, die unterschiedlichsten Menschen und ihre Geschichten kennenlernt habe.

Warum bist Du nicht zuerst in Deutschland auf die Straße zurück?
Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich mir selbst beweisen wollte, dass ich das kann. In Deutschland hätte ich sofort den Kelly-Bonus gehabt. Das Ausland war einfach eine Chance, meinen ganz eigenen Weg aufzubauen.

Träumst Du manchmal davon, nochmals so richtig Karriere zu machen?
Den Ruhm- und Karrieregedanken habe ich so ausgeprägt nicht, weil Karriere meistens eng verknüpft wird mit finanziellem Erfolg. Mein Lebensweg muss aber vielmehr mit meinen persönlichen, moralischen und ethischen Ansichten verträglich sein. .

Du trittst heute mit Deinen eigenen Kindern auf. Ist die einstige Kelly Family Dein Vorbild?
Mein Vater war damals völlig unerfahren, folglich hat er auch Fehler gemacht. Wir haben jährlich über 200 Konzerte gegeben, eine neue Platte und zig Video-Clips produziert sowie unzählige Interviews gegeben und für Fotoshootings posiert. Jeder Tag war mit Terminen und Arbeit randvoll, das hat uns alles überrollt. Keiner von uns hat damals geahnt, dass das böse enden und wir völlig ausgebrannt sein oder die Leute mit den Kellys übersättigt sein könnten. Daraus habe ich gelernt.

Was machst Du anders als Dein Vater?
Erstens: Ernährer der Familie bin ich als Solokünstler. Zweitens: Die Kinder wurden langsam an öffentliche Auftritte herangeführt. Sie haben zuerst nur zwei, drei Lieder mitgesungen. Das wurde dann mit der Zeit gesteigert. Unsere Konzerte sind prinzipiell bestuhlt, Fotoaufnahmen während des Auftritts sind verboten, es gibt keine Interviews mit den Kindern. Außerdem ist die Anzahl der Termine als Familie begrenzt, in diesem Jahr sind es nur fünfundzwanzig Auftritte. Ich baue meine Familie auch nicht als Marke auf. Unsere Kinder stehen alle freiwillig auf der Bühne. Wenn eines von ihnen keine Lust mehr hat, kann es jederzeit aufhören. Deshalb plane ich auch nie länger als ein Jahr voraus. Mir ist stets bewusst, dass jede Tour die letzte als Familie sein könnte.

Das Interview führte Patricia Leßnerkraus
Fotos: Privat/Angelo Kelly



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