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       13. November 2015

Von Gletschern, Edelweiss und Marmorbergen: Verborgene Schätze rund um Sterzing

Verborgene Schätze im Pflerschtal: Bergblumen verstecken sich hinter weiten Hügeln, während sich im Hintergrund der so oft mit Wolken verhangene Gipfel des Tribulaun zeigt. Foto: Roland Wagner

Die Einheimischen sprechen oft von „verborgenen Schätzen“. „Verborgene Schätze im Pflerschtal nordwestlich von Gossensass“ - das setzen sogar Südtiroler Freizeitmagazine als Titel über ihre Texte. Sei es ein Berg, der fast vollständig aus Marmor besteht oder eine Wiese voller Edelweiss, die hier und da einen Berghang ziert. Keine Frage - die Täler rund um Gossensass und Sterzing stecken allesamt voller verborgener Schätze. An dieser Stelle sind damit allerdings nicht nur die kleinen Besonderheiten gemeint. Denn wer als Gast kommt, wird merken: das gesamte Gebiet unweit des Brenners ist ein verborgener Schatz. Gut erschlossen, die touristische Infrastruktur dennoch versteckt hinter alten Traditionen und einer großen Liebe zur Natur. Eine Gegend, die am besten über ihre Menschen beschrieben wird.

Luis Oberhofer, 72, ist so einer von ihnen. Klein, mit Hut, und sein Satz noch vor dem Händedruck zur Begrüßung: „I hab nasse Hände, weil I grad no die Forelle ausm Teich ausgenommen hab.“ Er ist ein Südtiroler, der mit, in und von der Natur lebt. Er ist der Wirt der Edelweisshütte hoch über Ladurns. Und er sieht, wer an seiner Hütte vorbeigeht. Mit ein bisschen Glück sagt er mit seinem waschechten Dialekt zu ihnen: „Kimm, I zeig euch no schnell wos.“ Er will etwas herzeigen. Wenige steile Meter den breiten Weg hinauf, und Luis Oberhofer steht mit einem kleinen Schlüssel vor einer hölzernen Blockhütte. „Schaut’s mal nei, ob’s euch gfallt“, sagt er dann. Stolz, gutmütig, und auch ein bisschen geheimnisvoll. Hinter der Tür: Luis Oberhofers Ansammlungen der vergangenen Jahrzehnte. Ski, wie sie sonst nur in Bergmuseen gezeigt werden, aus Holz, neuere Modelle, sicher 15 Paar. Daneben Schneeschuhe und Grasski, die aussehen wie die Kettenreifen eines Baustellenfahrzeugs. Ausgestopfte Eichhörnchen und ein dutzend alte Pfeifen, die erzählen, worin Oberhofer jahrelang seine kleine Auszeit vom Almleben gefunden hat. Noch die ein oder andere Rarität, aber das soll ja nicht schon alles vorher verraten werden. Einlass gewährt der Südtiroler nämlich allen, manchmal muss man nur danach fragen. Der Eintritt: frei, denn Oberhofer freut sich über jeden, der seine Arbeit anerkennt. Einen ganzen Winter lang hat er schließlich Tag für Tag gewerkelt. Wer sein Schaffen trotzdem mit einer Kleinigkeit würdigen will, kann ein paar Münzen in die kleine Holzschatulle neben der Tür werfen. Und wer sich sein eigenes Bild von Luis Oberhofes Heimat machen will: Der geht den breiten Weg vor der Holzhütte anschließend noch weiter.

Der Weg führt zuallererst auf einen verhältnismäßig kleinen Gipfel - das Wetterkreuz. Knapp über 2000 Meter ist es ein Ziel für all diejenigen, die ihren Rundweg mit einem recht einfachen Gipfel küren wollen. Der Aufstieg dauert von der Edelweisshütte etwa eine Stunde, der Weg ist an manchen Abschnitten besser, an anderen weniger gut zu erkennen. Und übrigens überhaupt nur hergerichtet, weil sich Luis Oberhofer höchstpersönlich darum kümmert. Ihm ist deshalb gewissermaßen auch das Gipfelerlebnis zu verdanken: In exponierter Lage sieht man nicht nur auf Oberhofers Hütte und den Forellenteich hinab, sondern kann geradewegs einen Blick auf schroffbeeindruckende Dreitausender wie den Tribulaun und die Weißwand auf der einen Seite werfen, auf der anderen Seite auf die Telfer Weißen, die sich wie Spitzen aus dem Boden heben.
 

Wer den Grat zwischen Telfer Weißen und Lotterscharte entlangwandert, wird mit einem besonderen Anblick belohnt: Die Weißwand mit ihren verschiedenen Gesteinsschichten zeigt sich.     Foto: Consolati

Wer aber den breiten Weg nicht Richtung Wetterkreuz abbiegt, sondern der Kuppe bergab folgt, trifft genau auf einen der zahlreichen Rundwege in der Gegend um Gossensass: Den Dolomieu-Weg, benannt nach dem französischem Adeligen Marquis Deodat de Dolomieu, der 1790 in den Pflerscher Bergen das weißliche Dolomiten-Gestein entdeckte. Ein verborgener Schatz bis heute - denn zwischen dem Pflerschtal und den eigentlichen Dolomiten mit den markanten Drei Zinnen liegen etwa 130 Kilometer. Lehrtafeln am Wegesrand weisen auf diese geschichtlichen Hintergründe hin - oder ein Wanderführer wie Roland Wagner, 36, der oft noch ein paar mehr Hintergründe parat hat. Er deutet beispielsweise auf eine markante Spitze, unten gewöhnlich graues Urgestein, die Spitze weitaus heller - beide Gesteinsschichten mit einem fast reinweißen Band getrennt. „Die Spitze hat sich aus Dolomitengestein gebildet“, erklärt Roland Wagner - obwohl er selbst nicht schon im Pflerschtal aufgewachsen ist, sondern erst seit wenigen Jahren dort lebt. Ein Beispiel für die Gastfreundschaft der Einheimischen, wie sie nicht selbstverständlich ist. Roland hat dort ein neues Zuhause gefunden und pflegt den Kontakt zu seinen Nachbarn und Talfreunden, als hätte er noch nie woanders gelebt. Er ist es auch, der nach Luis Oberhofer zum nächsten Einheimischen führt, der die Gegend prägt. Bernhard Auckenthaler.
Bernhard Auckenthaler, 37, produziert wie einige Einheimische Nahrungsmittel vor der eigenen Haustüre. Joghurt ist das oft, Käse, Wurst, alles regional und bio. Doch Bernhard Auckenthaler unterscheidet sich. Ihm gehört ein Hanggrundstück, zu dem muss man steil aufsteigen, nur etwa 50 Meter, dann ist die Fläche gerade. Dort liegt Auckenthalers Kräutergarten im Berggras, Oregano, Zitronenmelisse, Rotklee, Apfelminze, marokkanische Minze. Bergkräuter aus der Region eben, und Blumen. Alle sind sie nicht nur zum Kochen und Würzen zu gebrauchen, sondern auch zum Gesund werden oder bleiben. Auckenthaler spricht von Heilkräften. „Das ist es, was mich daran so fasziniert. Es sind Heilpflanzen, die hier an vielen Berghängen zu finden sind. Man muss es nur wissen“, sagt er.
 


Bernhard Auckenthaler auf seiner Kräuterwiese im Pflerschtal.             Foto: Roland Wagner

Seit zwölf Jahren betreibt er seinen Kräutergarten, der mit dem eines befreundeten Paares im kleine Ort Wiesen südöstlich von Gossensass die Gemeinschaft „Kräutergärten Wipptal“ bildet. Seitdem hat er seine Verfahren verfeinert. Doch einfach erzählen will Bernhard Auckenthaler dazu nur ungern - er zeigt lieber. Packt seinen kleinen Säbel wieder ein, den er immer dabei hat, wenn er zu seinem Kräutergarten aufsteigt - „falls ich was ernten muss“ - und betritt den hölzernen Bungalow unterhalb davon. Seine Trockenräume. Allein, wenn die Tür zum Voraum aufgeht, wird der Geruch der Kräuter so stark, als hätte man Kamille, Lavendel, Arnika und Minze kiloweise auf einen Haufen geschichtet und einen Ventilator dahinter gestellt. So ähnlich ist es auch, nur geordnet. Für Minze hat Auckenthaler einen eigenen Trockenraum eingerichtet, die braucht besondere Behandlung. In große Holzregale mit Schubladen, die nur einen luftdurchlässigen Gitterboden haben, verteilt er die frischen Minzeblätter. Bei maximal 35 Grad werden sie dann getrocknet, „die sanfte Art und Weise erhält Farbe und Aroma“, sagt Auckenthaler. Später entstehen verschiedene Tees aus den Kräutern und Blumen, Liköre, oder seit ein paar Jahren sogar Cremes und Heilmittel gegen Muskelverspannungen oder Sonnenbrand. Mit Johanniskraut, zum Beispiel. Wenn Auckenthaler das erntet, wird der Blick frei - auf den gewaltigen Gletscher, am Ende des Tals, weit hinter St. Anton.

Das Pflerschtal ist während der verschneiten Monate bei Skifahrern und Wintersportlern beliebt, doch die mächtigen Dreitausender ringsrum, die oft noch von bläulich-schimmernden Gletschern überzogen werden, beeindrucken Wanderer und Bergsteiger auch im Sommer. Wer zum Beispiel auf dem exponierten Gipfel der Telfer Weißen (2588 Meter hoch) steht, westlichster Punkt der großen Gemeinde Sterzing, hat bei gutem Wetter freien Blick auf weiße Giganten. Der Wilde Freiger (3418 Meter hoch) auf Österreicher Seite spitzelt hinter niedrigeren Gipfeln hervor, das noch höhere Zuckerhütl (3507) westlich davon und die Weißwand genau auf der Landesgrenze. Ein selten schöner Blick auf gleich mehrere freigelegte Gletscher. Und das bei einem Anstieg auf die Telfer Weißen, den sich die meisten Hobby-Bergsteiger zutrauen. Vom östlichsten Punkt der Gemeinde Sterzing aus, der Weißspitz (2714 Meter hoch), bildet außerdem der Hochfeiler (3510 Meter hoch) den Beginn in eine verschneite Gipfellandschaft - während die Täler gleich unterhalb in saftigem Sommergrün und gespickt mit Edelweiss erstrahlen. Und unter den sanften Hügeln: wieder ein verborgener Schatz, den die Einheimischen nirgends groß anpreisen. Karl Schwarzer, geboren in Sterzing, Wanderführer, erzählt vom Marmorberg ganz bescheiden. Dabei ist die mit Gras überzogene Kuppe am Fuße des Jaufenpass die einzige, die komplett aus Marmor besteht. Abgebaut wird immer dort immer noch, doch auch die Gäste können einen Blick darauf werfen. Eine Möglichkeit bietet die Gilfenklamm, die sich 15 Meter tief in den weichen Marmor gebohrt hat. Sie ist die einzige Marmorschlucht in ganz Europa. Wie man sich das vorstellen kann? Ein Wanderweg, der über Hängebrücken und Treppen durch dieses Naturdenkmal hindurchführt, vorbei am tosenden Ratschingser Bach und Abschnitten, an denen er sich im weißen Marmor spiegelt. Auf jede Frage scheint Karl Schwarzer eine Antwort zu wissen. Er, der dort aufgewachsen ist, kennt jede Bergblume beim Namen und sagt immer wieder gerne: „Hier, das kann man probieren.“ Wer einmal mit ihm in den Bergen unterwegs war, der weiß: In der Gegend um Sterzing und Gossensass gibt es viele verborgene Schätze.

Tipp für die Entspannung danach

Oben am Hang in St. Anton gelegen, ruhig, mit Blick auf die Gletscherwelt am Ende des Pflerschtals. Wer so seine Urlaubstage verbringen will, für den ist das Panorama Aktivhotel *** ein echter Geheimtipp. 30 Zimmer bietet der Familienbetrieb insgesamt an, eingerichtet im gemütlichen Tiroler Stil, alle Zimmer entweder mit Balkon oder Gartenzugang. Die Preise pro Person pro Nacht, inklusive Halbpension mit reichhaltigem Frühstücksbuffet und einem Fünf-Gänge-Menü abends, beginnen bei 50 Euro. Wer ein bisschen mehr zahlt, kommt außerdem in den Genuss von Komfortzimmern mit großem Panoramafenster, die in einem neuen Anbau erst seit Ende Juni 2015 zur Verfügung stehen. Errichtet in natürlicher, moderner Holzbauweise sind sie mit Naturholzmöbeln in Zirbe ausgestattet. „Das beruhigt zum Beispiel nachweislich den Herzschlag“, sagt Harald Siller, der zusammen mit seiner Frau Alexandra die Leitung übernommen hat. Er ist der Schwiegersohn der Familie Windisch, die das Panorama Aktivhotel schon seit 30 Jahren führt. Während dieser Zeit hat sich zwar der Standrad geändert, vor allem auch durch die neuen Zimmer, die einen vierten Stern verdient hätten - eines ist aber gleich geblieben: die Südtiroler Gastfreundschaft und die Leidenschaft für die eigene, hervorragende Küche.

Kontakt zum Hotel im Internet unter www.hotel-panorama.it oder telefonisch unter +39 0472 770010+39 0472 770010.

Unser freier Mitarbeiter Felix Graf Consolati war mit Begeisterung unterwegs und hat uns diesen schönen Artikel verfasst.

 



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