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23.09.2016

Gipfelwelt im Stubaital: Die Schönsten der Schönen

Reisebericht von unserem Redakteur Felix Graf Consolati

Gipfelglück im Stubaital: Vom Hohen Burgstall aus erstreckt sich eins der schönsten Panoramen der Region. Foto: Schoenherr

Im Stubaital vereinen sich die Formen der Welt, mag der ein oder andere Bergkenner sagen. Wer schon einmal da war und und den Rundum-Blick von einem Gipfel genossen hat, der weiß genau, was damit gemeint ist. Während ein ganz besonders massiver Gipfel von einer Seite an ein Himalaya-Massiv erinnert, gleicht der andere einem Vulkan, der alles andere weit überragt. Das Porträt eines unverwechselbaren Tals, das Einheimische und Besucher gleichermaßen mit seiner sagenhaft schönen Vielfalt einlullt und nun sogar seine schönsten sieben Gipfel gekürt hat. Wer einmal hier war, kommt wieder.


Zehn Jahre war Richie erst alt, als er einen Berg bestiegen hat, bei dem sich sogar ein erfahrener Wanderer gerne sichert - so brüchig und ausgesetzt ist der Weg, der zum Gipfel führt. Als „schwierige Bergtour in dolomitenähnlicher Landschaft“ wird der Aufstieg zur Schlicker Seespitze (2804 Meter) heute bezeichnet, Richie war damals natürlich viel zu jung, um das zu wissen, ist einfach seinem Vater hinterher und rauf. Heute ist er 76 Jahre alt und wenn er gefragt wird, wo er herkommt, sagt er immer eines: „Ich bin ein Stubaier!“ Stolz, voller Überzeugung. Weit weg musste er nie, langweilig war’s ihm auch nicht. „Ich hab’ doch hier alles, was ich brauch.“ Noch heute trifft man ihn auf sämtlichen Gipfeln im Stubaital, auf dem höchsten Berg der Region, dem Zuckerhütl (3507 Meter), war er ungefähr 25 Mal, schätzt er. Mitgezählt hat er aber nie. Das Zuckerhütl ist nicht nur der höchste Stubaier Berg, sondern auch einer der schönsten - mittlerweile sogar ganz offiziell.

Stubaier Bergprofis und Gebietskenner haben sich den Kopf zerbrochen, um aus allen Gipfeln, die ihr Tal zu bieten hat, die schönsten und erlebnissreichsten auszusuchen. Touren, die im Gedächtnis bleiben. Entstanden ist eine attraktive Mischung sowohl für gestandene als auch für genussorientierte Bergsteiger, eine Mischung von herausragenden bergsteigereschen Zielen, Gipfeln mit fantastischer Aussicht und unverwechselbaren Berggestalten, die das Landschaftsbild prägen. Zusammengefasst: Die Seven Summits des Stubaitals.


Die Stubaier Seven Summits: Die sieben schönsten und erlebnisreichsten Gipfel umzingeln das Tal. Foto: Heinz Zak

Der Höchste unter ihnen, der, den Richie um die 25 Mal erklommen hat: Das Zuckerhütl, ein feiner weißer Spitz, der wie ein kleiner Hut aus dem flachen Gletscher des Sulzenauferners heraussticht. Das Panorama, das sich von der Spitze des Hütls aus erstreckt, macht alle Anstrengungen wieder gut: Hinter den nahen Gipfeln der Stubaier Alpen bis zu den Dolomiten und weit über die Ötztaler Alpen erstreckt sich bei guten Sichtverhältnissen ein weites Gipfelmeer nach Westen. Mehr als 100 geübte Bergsteiger machen sich an solchen Tagen auf den Weg zum höchsten Punkt, viele nehmen sich für die Tour, bei der das nicht ungefährliche Gletscherbecken gequert werden muss, die Hilfe eines Bergführers. Auch der ist dann ein echter Stubaier - einer, wie Robert Span.

Robert Span ist aufgewachsen - natürlich im Stubaital. In den Bergen ist er unterwegs, seit er denken kann, irgendwann hat er das zu seinem Beruf gemacht. Heute ist er Vorsitzender des österreichischen Bergführerverbandes, außerdem hat er sich mit den Bergführern in seinem
Heimattal zusammengetan. Gemeinsam sind sie das Bergführerbüro Stubai-Alpin, sie bringen Bergsteiger von überall her zum Beispiel auch auf das Zuckerhütl. Robert Span hat es übrigens selbst für die Seven Summits des Stubaitals vorgeschlagen, er saß in der Jury.

Ein anderer seiner massiver Favoriten war der Habicht - auch er hat es in die schönsten Sieben geschafft. Sein 3277 Meter hoher Gipfel überragt die umliegenden Berge weit - er prägt das Landschaftsbild, zeigt auch von weiterer Entfernung auf, wo sich das Stubaital erstreckt. Manch ein Bergkenner sagt, im Stubaital würden sich die Formen der Welt vereinen - der Habicht ist es, der wohl den größten Teil dazu beiträgt. Aus vielen Perspektiven erinnert er an den Himalaya- Riesen Dhaulagiri, 8167 Meter hoch, siebhöchster Berg der Welt. 62 Bergsteigerleben hat der Dhaulagiri bereits gefordert - Stand November 2015. Die gute Nachricht: Der Habicht sieht dem Himalaya-Riesen teilweise zwar zum verwechseln ähnlich, ist für geübte Bergsteiger aber kein allzu schwerer 3000er - und deshalb umso beliebter.

Der Habicht wirkt ähnlich massiv wie der Himalaya-Riese Dhaulagiri. Foto: Schoenherr

Der klassische und einfache Aufstieg beginnt im Neustifter Ortsteil Neder und führt über flache Serpentinen hinauf zur Innsbrucker Hütte. Wer hier eine Übernachtung einplant, kann sich am nächsten Morgen möglichst zeitig aufmachen zum Gipfel des Habicht. Von dort aus wird der Weg schwieriger, felsiger. Ausgesetzte Passagen sind allerdings mit einem Drahtseil gesichert - „einen Gurt samt Klettersteigset anzulegen schadet hier nicht“, empfiehlt Robert Span. Sicher ist sicher, auch, wenn Richie selbst den Habicht wahrscheinlich schon in jungen Jahren ohne Gurt hinaufgesprungen ist.

Richie kennt allerdings noch einen weiteren der Seven Summits so gut wie jede Profilrille seiner Bergschuhe. Die Rinnenspitze, und damit ist er nicht alleine. Der nur knapp über 3000 Meter hohe Gipfel gehört zu den beliebtesten im Stubaital, für die Einheimischen ist er sogar ein echter Bergklassiker, der in jedem Bergsommer mindestens einmal erklommen wird. Zur Übung, zum Einstimmen - denn mit 3003 Metern und der Möglichkeit, auf der Franz-Senn-Hütte zu übernachten, gehört die Rinnenspitze zu den Dreitausendern, die ein aufregendes Wochenende
inmitten eines Kraxelparadieses gipfeln.

Nicht nur, dass diese Gegend zu einer der schönsten Tirols zählt - was rund um die Franz-Senn-Hütte geboten ist, ist für Kletter(steig)freunde ein alpiner Abenteuerspielplatz und ein beliebter Stopp für alle Wanderer, die auf dem fast 100 Kilometer langen Stubaier Höhenweg unterwegs sind. Wer hier eine ausgedehnte Rast einlegen will, kann sich an den umliegenden Felsen leicht zwei Nachmittage lang beschäftigen:

Mit etwa 20 Minuten sehr kurz, aber umso erlebnisreicher ist der Höllenrachen-Steig (Schwierigkeitsgrad C), der in nur kurzer Gehzeit von der Franz-Senn-Hütte aus zu erreichen ist. Das Erlebnis an sich ist unverwechselbar: Entsprechend gesichert steigt man an einer nahezu
vertikalen Felswand hinab - parallel zu einem Wasserfall, der tosend durch das Nadelöhr an Fels donnert. Nur wenige Meter vom eigenen Körper entfernt kracht das Wasser so laut, dass Anweisungen zum Kletterpartner geschrien werden müssen. Der Anblick, der sich bei jeder Bewegung aus den Augenwinkeln raus auf das hellblaue Gletscherwasser bietet, ist
atemberaubend, die Atmosphäre abenteuerlich.

Ein längerer und ruhigerer Steig befindet sich nur ein paar Hundert Meter weiter, knapp hinter der Hütte in Richtung Rinnenspitze: Der Edelweißsteig, den Robert Span persönlich am Fels befestigt hat. Von den Edelweiß, die sich an der etwa einhundert Meter hohen Felswand (Schwierigeit C/D) immer wieder aus nächster Nähe beobachten lassen, kennt er deshalb jedes einzelne. Für Kletterer bietet sich in nächster Nähe ebenfalls ein guter Übungsplatz - der Hütteneigene Klettergarten mit Schwierigkeiten zwischen den Graden IV und VII.

Und wenn man schon von den formschönsten und besonderen Bergen Österreichs spricht, gibt es einen Gipfel der Stubaier Seven Summits, der auf jeden Fall genannt werden muss: Der Serles, 2717 Meter hoch, eine gleichmäßige Spitze, die nicht an einen Vulkan, sondern eine Pyramide erinnert. Wer nach 1100 Höhenmetern und kurzen klettersteigähnlichen Passagen ganz oben steht, kann einen beeindruckenden Ausblick auf den ganzen Kranz der Stubaier Berge genießen.

Etwas gemächlicher geht es hingegen auf einem anderen der Seven Summits zu: Auf dem Hohen Burgstall (2611 Meter). Er aber ist trotzdem ein ganz besonderer unter den sieben: Nur von ihm aus kann man alle sechs Gipfel der Seven Summits sehen. Auch den Habicht, der sich aus dieser
Perspektive fast wie ein Vulkan aus der Bergkette hervorhebt. Diesen Ausblick können sich Wanderer recht schnell erklimmen. Nur 520 Höhenmeter trennen die Wanderer von der Bergstation Kreuzjoch vom Gipfel des Hohen Burgstall.

Ebenfalls eine leichtere und kürzere Wanderung führt auf den Hausberg der Neustifter - den Elfer, sein Aufstieg und der Blick vom Gipfel nicht weniger lohnenswert als der seiner höheren Nachbarn. Wer oben steht, wird wissen, warum er zu den Stubaier sieben schönsten Wanderungen gekürt wurde, und warum sich Einheimische immer wieder auf den Weg zu ihrem Hausberg machen: Bereits ab der Bergstation der Elferlifte, 1790 Meter, fällt der Blick auf bizarre Felstürme, die wie Zacken und Türme in die Höhe stechen. Oft wird diese Landschaft mit den Dolomiten verglichen.

Traumhaft schöne und endlos lange Wege erstrecken sich im Stubaital. Oft trifft man stundenlang niemanden. Foto: Schoenherr

Und dann gibt es da noch den siebten Schönsten der Stubaier Schönen. Den Wilden Freiger, 3418 Meter hoch, von gemächlich ist hier keine Spur mehr. Fragt man echte Bergliebhaber wie Richie oder Robert Span, sind die sich in einer Sache definitiv einig: Der Wilde Freiger hat alles, was man sich von einem großen Berg wünschen kann: vergletscherte Flanken und schneidige Grate, die sich auf den höchsten Punkt zuspitzen. „Noch dazu sticht seine mächtige Flanke sogar von weit her ins Auge, das Zuckerhütl wirkt daneben fast unscheinbar“, sagt Robert Span, und er muss es ja wissen. Auch der Wilde Freiger gehört zu seinem Arbeitsplatz, da fühlt er sich wohl.

Für den Aufstieg gibt es verschiedene Optionen: Während der klassische Anstieg über die Nürnberger Hütte vergleichsweise harmlos erfolgt - erst später im relativ flachen und unproblematischen Teil wird der Gletscher gequert - erweist sich der südliche Anstieg über die Müllerhütte und das Becherhaus als alpinistisch spannend. Die letzten Meter zum Gipfel führen hier entlang einer ausgesetzten Gradschneide.

Bei der Wegewahl am wichtigsten: „Bitte nicht die eigenen Fähigkeiten überschätzen“, appelliert Robert Span. Für immer mehr Bergunfälle sei das der Grund. „Man lernt nie aus“, sagt auch Richie - nach über 60 Jahren Bergsteigererfahrung. Seine Devise gilt für das Zuckerhütl, das er schon etwa 25 Mal bestiegen hat, wie für alle anderen Stubaier Berge auch. Touristen kommen wegen der großen Vielfalt, vulkanähnlicher Gipfel und imposanter Landschaften immer wieder hierher.

Richie und Robert Span sind nie gegangen.

Tipp der Redaktion
Heinz Zak, Bergführer, Extremkletterer, Profifotograf und Autor kann ebenfalls nicht vom Stubaital ablassen. Nach Jahrelanger Arbeit stellt er in seinem neuen Bildband „Stubai. Die Berge und das Tal“ die schönsten Bergaktivitäten vor und erzählt von den Besonderheiten des Stubais und seiner Bewohner.

Heinz Zak: Stubai.Die Berge und das Tal.
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2016, 34,95 Euro.
Handsignierte Exemplare gibt’s beim Autor unter heinzzak@gmail.

Text: Felix Graf Consolati



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