27.02.2026

Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland

Neue Ausstellung im Museum Baberini Potsdam | 28. Februar bis 7. Juni 2026

Max Liebermann war der Wegbereiter der ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Mit seinem frühen und richtungs-weisenden Blick nach Frankreich leitete er eine Erneuerung der Malerei ein, die den deutschen Impressionismus nachhaltig prägte. Avantgarde. Die Ausstellung Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland zeigt vom 28. Februar bis 7. Juni 2026 im Museum Barbeini in Potsdam anhand von über 110 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen eindrucksvoll die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland in seiner ganzen Bandbreite.

Im Zentrum steht Liebermann in seinen Rollen als Künstler, Sammler und Präsident der Berliner Secession, der entscheidende Impulse für die Internationalisierung des deutschen Kunstbetriebs gab. Zugleich macht die Ausstellung sichtbar, wie eine neue Generation von Malerinnen und Malern – inspiriert von der französischen Moderne – Themen wie pulsierende Stadtansichten, Freizeit- und Naturdarstellungen, Kinderportraits und Theaterszenen künstlerisch weiter-entwickelte. Neben Schlüsselwerken von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde werden auch Arbeiten weiterer bedeutender und neu zu entdeckender Künstlerinnen und Künstler gezeigt, darunter Philipp Franck, Dora Hitz, Gotthardt Kuehl, Sabine Lepsius, Maria Slavona und Lesser Ury.

 

Der Blick nach Frankreich

Max Liebermann setzte sich über die engen Vorstellungen der kaiserlichen Kunst-politik hinweg und wurde um 1900 zum Vorbild für viele Künstlerinnen und Künstler in Deutschland. Als Präsident der Berliner Secession und der Preußischen Akademie der Künste trug er maßgeblich zur Internationalisierung des Kunstbetriebs bei. Früh sammelte er Werke französischer Impressionisten, die für ihn den Maßstab zeitgenössi-scher Kunst darstellten, und beriet den damaligen Direktor der Nationalgalerie in Berlin, Hugo von Tschudi, bei dessen Ankäufen in Paris.

Der Blick nach Frankreich spielte für die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland von Beginn an eine entscheidende Rolle. Die im Frankreich der 1860er Jahre entstandene Malerei faszinierte durch kräftig leuchtende Farben und eine energische, skizzenhafte Pinselführung. Neben Liebermann bezogen zahlreiche weitere Malerinnen und Maler ihre Inspiration aus den Werken ihrer französischen Kollegen. Auf Reisen nach Paris setzten sie sich intensiv mit der französischen Moderne auseinander. Motivisch eröffnete sich dabei ein breites Spektrum – von sonnendurchfluteten Landschaftsdarstellungen und stimmungsvollen Figurenbildern bis hin zu sorgfältig arrangierten Stillleben.

Die erste Präsentation französischer Impressionisten in Deutschland fand 1883 in Berlin statt: In der Galerie Fritz Gurlitt wurden 16 Gemälde von Édouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro und Alfred Sisley gezeigt, darunter zehn Werke aus dem Besitz des Sammlerpaars Carl und Felicie Bernstein. In den 1890er Jahren folgten Ausstellungen in München und Weimar. Um die Jahrhundertwende präsentierten die Berliner Secession und die Galerie Paul Cassirer regelmäßig Werke wie Monets Impression. Sonnenaufgang oder Manets Frühstück im Grünen – Bilder, die in Frankreich selbst noch als skandalös galten. In Deutschland wurde der Impressionismus schnell als Avantgarde-Strömung anerkannt und galt als Widerstand gegen die national geprägte Kunstpolitik des Kaisers.

Während Hugo von Tschudi bereits früh wichtige Werke der französischen Moderne für die Nationalgalerie erwarb, baute Liebermann eine bedeutende private Sammlung auf, die Gäste in seiner Villa am Wannsee bewundern konnten. Ab 1909 legte er dort einen aufwendig gepflegten Garten an, dessen leuchtende Blütenpracht zum zentralen Motiv seines späten impressionistischen Schaffens wurde – vergleichbar mit Claude Monets Garten in Giverny.

 


Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922 Öl auf Leinwand,
70 × 100,5 cm Privatsammlung Süddeutschland

 

Zwischen Rezeption und Eigenständigkeit

Die von Frankreich ausgehenden Impulse griffen deutsche Künstlerinnen und Künstler nach 1900 auf und entwickelten dabei eine eigenständige Bildsprache. Ihr Augenmerk richtete sich zunehmend auf die soziale Dimension der Kunst. Sie malten fortschrittliche Sozialeinrichtungen wie holländische Waisenhäuser und nahmen die neuesten Strömungen der Reformpädagogik in ihre Werke auf. Zugleich legten sie Wert auf das Narrativ und bewahrten eine erzählerische Form der Darstellung.

Neben lichtdurchfluteten Landschaften widmeten sich die Impressionisten in Deutschland nächtlichen Stadtansichten, erhellt durch moderne elektrische Beleuchtung. Sie thematisierten gesellschaftliche Spannungen sowie die Anonymität des Großstadtlebens. Dabei offenbarte sich eine ambivalente Sicht auf die Metropole zwischen dynamischem Kulturraum und Ort emotionaler Belastung. Fortschrittsbegeisterung traf auf düstere Visionen der Urbanisierung. So zeigen sich in der impressionistischen Malerei Deutschlands bereits Züge des späteren Expressionismus.

Die prägende Bedeutung des Theaters um 1900 als Erlebnisraum von Emotionen spiegelte sich auch in der deutschen Avantgarde-Malerei. Die Künstler setzten sich mit dem Bild-typus des Rollenportraits auseinander und verliehen ihren Bildern mit impressionistischem Pinselduktus eine vibrierende Dramatik. Diese Kompositionen waren auch ein Resonanzraum der zeitgleichen Neuerungen im dramatischen Werk und im modernen Tanz. Daneben inszenierten die Maler biblische Geschichten wie Simson und Delila als Ausdruck des Geschlechterkampfs, der im Zug der Emanzipationsbewegung an Brisanz gewann.

 


Max Liebermann, Biergarten „De Oude Vink“ bei Leiden, 1905
Öl auf Leinwand, 71 × 88 cm, Kunsthaus Zürich 

 

Ein neuer Blick auf den Impressionismus in Deutschland

Mit über 110 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen widmet das Museum Barberini dem Impressionismus in Deutschland eine der bislang umfangreichsten Ausstel-lungen. Neben kanonischen Positionen wie Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde präsentiert die Schau auch Arbeiten weniger bekannter Künstler, darunter Philipp Franck, Friedrich Kallmorgen, Gotthardt Kuehl, Christian Landenberger, Heinrich Eduard Linde-Walther, Franz Skarbina, Lesser Ury und Max Uth.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem lange vernachlässigten Beitrag von Künstlerinnen zur Entwicklung des deutschen Impressionismus. Gezeigt werden Werke von Charlotte Berend-Corinth, Emilie von Hallavanya, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Maria Slavona. Sie behaupteten sich bereits im konservativen Kaiserreich künstlerisch und ermöglichen heute ein erweitertes Verständnis der Bewegung. Ein weiterer neuer Aspekt ist der Blick auf die Anregungen, die deutsche Künstlerinnen und Künstler in Frankreich erhalten haben und wie sie diese Impulse in ihre Malerei umsetzen.

Die Leihgaben stammen aus bedeutenden deutschen und internationalen Sammlungen, darunter die Alte Nationalgalerie Berlin, das Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, das Folkwang Museum Essen, das Städel Museum Frankfurt, die Neue Pinakothek München, das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza Madrid, das Musée d’Orsay Paris und das Belvedere Wien. Mit Werken von über zwanzig Künstlerinnen und Künstlern zeigt die Ausstellung die Vielfalt des deutschen Impressionismus und spannt einen chronolo-gischen Bogen von den 1880er bis in die 1930er Jahre. Sie beleuchtet die von Frankreich ausgehenden Impulse und ihren Resonanzraum vor und nach dem Ersten Weltkrieg.

Technischer Fortschritt, gesellschaftliche Modernisierung und neue Mobilität ermöglichten eine bisher unbekannte künstlerische Freiheit. Der unter freiem Himmel entwickelte Malstil des Impressionismus spiegelt mit seinen Stadtansichten, Freizeit- und Naturdarstellungen exemplarisch diese Epoche der künstlerischen Neuerung wider.

 

Liebermanns Vermächtnis

Die Ausstellung würdigt Max Liebermann nicht nur als zentralen Künstler, sondern auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor. Als Präsident der Berliner Secession war er im erzkonservativen Kaiserreich eine mutige Stimme für Internationalität und künstlerische Erneuerung. Für sein Wirken wurde er 1889 auf der Pariser Weltausstellung mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet und in die Société des Beaux-Arts aufgenommen; 1896 folgte die Aufnahme in die französische Ehrenlegion.

Liebermann starb zwei Jahre nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, die der modernen Malerei in Deutschland ein abruptes Ende setzten. Seine Witwe Martha Liebermann beging 1943 wenige Tage vor der geplanten Deportation nach Theresienstadt Suizid; Tochter Käthe und Enkelin Maria waren bereits 1938 in die USA geflohen.

Liebermanns Sammlung französischer Impressionisten ist heute international verstreut, während seine Villa am Wannsee als bedeutendes kulturelles Vermächtnis und politisches Mahnmal erhalten bleibt.

 

Internationale Impressionismus-Reihe im Museum Barberini

Das Museum Barberini zeigt mit der Sammlung Hasso Plattner dauerhaft 115 impressionis-tische und postimpressionistische Werke und widmet sich in seinem Programm auch dem internationalen Impressionismus. 2020 präsentierte das Museum die Ausstellung Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde, 2023 folgte Wolken und Licht. Impressionismus in Holland.

„Eine Ausstellung zum Impressionismus in Deutschland in dieser Reihe zu zeigen, eröffnet die Möglichkeit, die Werke unserer eigenen Kunstgeschichte mit frischem Blick in einem internationalen Kontext zu betrachten. Wir wünschen unseren Besucherinnen und Besuchern viel Freude und Inspiration beim Eintauchen in die leuchtenden Bildwelten von Max Liebermann und seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern – Bilder, die eindrucksvoll die hohe malerische Qualität und die emotionale Ausdruckskraft des Impressionismus in Deutschland sichtbar machen“, sagt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini und Ausstellungskuratorin.

„Wir freuen uns sehr, nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei Impressionismus in Russland gemeinsam mit dem Museum Barberini dieses Projekt zu realisieren. Die überwältigende Resonanz in Baden-Baden hat eindrucksvoll gezeigt: Max Liebermann und der deutsche Impressionismus sind Themen, die auch heute nichts von ihrer Kraft und Relevanz verloren haben“, so Daniel Zamani, Künstlerischer Direktor des Museum Frieder Burda.

Die Ausstellung und der begleitende Katalog gingen aus einem wissenschaftlichen Symposium hervor, das am 11. Dezember 2024 im Museum Barberini stattfand. Sie entstand in Kooperation mit dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, und war dort vom 3. Oktober 2025 bis 8. Februar 2026 zu sehen. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

 

Ausstellungen zum Impressionismus in Deutschland 2026 in in Berlin und Potsdam

Im Laufe des Jahres widmen sich nicht nur das Museum Barberini in Potsdam, sondern auch die Berlinische Galerie, die Alte Nationalgalerie sowie die Liebermann-Villa am Wannsee in mehreren Ausstellungen dem deutschen Impressionismus. Dabei rücken sie zentrale Künstlerpersönlichkeiten wie Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth ebenso in den Fokus wie die Netzwerke von Sammlern, Galeristen und Kritikern, die den Durchbruch der Moderne begleiteten und förderten.

 

Titelfoto: Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, 78,5 × 107,5 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.

 

 

 

 
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